Wieder was fürs Leben gelernt…
Heute durfte ich meinem ersten PPM (Pre Production Meeting = Letztes Meeting vor dem Dreh, bei dem alle wichtigen Eckdaten des Spots noch einmal besprochen werden) beiwohnen. Und was soll ich euch sagen? - Die Stimmung war gut, die Leute waren nett und gelernt habe ich natürlich auch wieder was. Aber nicht nur Neues bezüglich des Berufes des FFF-Producers, sondern gleich dazu noch zwei Dinge fürs Lebens. Dazu vorab ein paar Informationen bezüglich des Inhaltes des PPMs.
Gedreht wird in absehbarer Zeit ein Werbespot, bei dem ein Auto nur knapp einem Unfall entgeht, in dem es nur kurz vor dem Hindernis zum stehen kommt. Dazu bedarf es einer Einstellung, in der sich die Kamera im Auto befindet und somit auf das Hindernis zu fährt. Nun könnte man das ganze bei langsamer Fahrt drehen und dann in der Post schneller ablaufen lassen. Nicht so bei unserem Spot, denn hier fahren wir mit maximaler Geschwindigkeit. Nun wird natürlich so geschnitten, dass der Stuntman viel früher bremst und zum stehen kommt, als es im Spot später zu sehen ist. Aber es besteht immerhin noch ein gewisses Risiko, denke man nur an die eisigen Temperaturen.
Nun kam also im Meeting, von Seiten der Agentur, die Frage auf, ob es denn ein Ersatzauto gäbe. Ansonsten müsste man den Dreh eventuell abbrechen, sollte das Spielauto (im besten Falle) ein paar Kratzer abkriegen. Diese Frage wurde von Seiten der Produktionsfirma, wie kann es anders sein, mit “Nein!” beantwortet.
Nun kann sich jeder denken, dass leichte Panik auf Seiten der Agentur aufkam und gefragt wurde, was denn wäre wenn etwas passieren sollte. Daraufhin der Producer der Produktionsfirma: “Es wird nichts passieren!” - “Aber wenn doch?” - “Ganz einfach, es wird nichts passieren! Punkt!”
Damit war das Thema vom Tisch. Nun kann man den Mann für verbohrt halten, für über optimistisch oder gar verrückt. Aber im Grund genommen ist er nur realistisch und ruhig geblieben, denn an der Situation selber kann man nichts mehr ändern.
Die Diskussion hat mich an diverse Diskussionen erinnert, welche ich mit dem Regisseur (und auch anderen Leuten, aber Hauptsächlich mit dem Regisseur) meines Vor- und Diplomfilmes während der Vorbereitung eben dieser geführt habe.
Was machen wir wenn es regnet? - Wird es nicht!
Was machen wir wenn wir uns bei dem Kampf verletzten? - Werden wir nicht!
Was machen wir wenn wir die geplanten Einstellungen nicht schaffen? - Werden wir!
Und so weiter und so fort. Manchmal hat er die “coole” Antwort gegeben und manchmal ich. Mit anderen Worten, wir haben uns gegenseitig Hoffnung gemacht und beruhigt. Was lernen wir also daraus? Ob teurer Werbespot oder preiswerter Studentendreh, es tauchen immer wieder die selben Probleme auf oder:
Wir kochen alle nur mit Wasser!
Nun noch kurz das Zweite was ich heute gelernt habe. Als wir kurz auf einen unserer Agenturchefs zu sprechen kamen, erwähnte der Producer der Produktionsfirma, dass er vor über einem Jahrzehnt, als er noch selber Praktikant war, Videobänder mit den Dailies zu besagtem Agenturchef liefern musste. Mit anderen Worten: Die Welt ist klein, ich stehe als Praktikant gar nicht mal so schlecht dar und…
…wir alle Fangen mal klein an.
Euer Simon!